Ich verspreche

Wenn „Verliebtsein“ der einzige Grund sein soll, eine Ehe aufrechtzuerhalten, dann hat der Gedanke an einen Vertrag oder ein Versprechen natürlich keinen Raum. Wenn Liebe alles ist, kann ein Versprechen nichts hinzufügen, und dann sollte man es auch nicht geben. Seltsamerweise wissen Liebende, solange sie einader wirklich lieben, dies besser als jene, die über die Liebe bloß reden. Wie Chesterton sagte: „Liebende neigen von Natur aus dazu, sich durch Versprechen für immer aneinander zu binden. Die Liebeslieder aller Zeiten sind voll von Schwüren ewiger Treue.“ Das christliche Gesetz will der Liebe also nichts aufzwingen, was ihrem eigentlichen Wesen fremd ist. Es verlangt von den Liebenden nur, dass sie das Ernst nehmen, wozu ihre Liebe selbst sie drängt.

Und natürlich verpflichtet mich das Versprechen, das ich dem geliebten Menschen gebe, wenn ich in ihn verliebt bin und weil ich in ihn verliebt bin, auch dann noch zur Treue, wenn ich aufhöre, verliebt zu sein. Ein Versprechen muss sich auf eine Handlung beziehen, auf etwas, was ich tun kann; niemand kann versprechen, immer die gleichen Gefühle zu haben. Wir könnten genauso gut versprechen, nie Kopfweh oder ständig Hunger haben zu wollen.

– aus: Pardon, ich bin Christ

Ein Jahr mit C.S. Lewis: 366 Inspirationen aus seinen Werken, S. 207.