„Zeigt mir, wo das geschrieben steht“

Die bayerische Adelige Argula von Grumbach (1492–1554) bekam als Kind von ihrem Vater eine deutsche Bibel geschenkt. Als sich die Botschaft der Reformation zu verbreiten begann, wurde Argula trotz der Vorbehalte ihres Mannes zu einer wichtigen Unterstützerin.

Am 20. September 1523 forderte sie in einem Brief die Professoren der Universität Ingolstadt zu einer öffentlichen Debatte heraus. Sie verteidigte den achtzehnjährigen Studenten Arsacius Seehofer, dem mit Folter gedroht worden war. Man wollte ihn zwingen, seinen protestantischen Glauben zu widerrufen.

Argulas öffentlicher Brief wurde zur Sensation und musste in den ersten zwei Monaten vierzehn Mal nachgedruckt werden. »Von dieser römischen Kirche finde ich auch kein Wort in der Bibel«, erklärte sie. »Ich höre nicht, daß … mit Schriftsprüchen von einem unter euch irgendein Artikel sei umgestoßen worden … Was lehret dich Luther und Melanchthon anders, denn das Wort Gottes? Ihr verdammet sie, ohne sie widerlegt zu haben. Hat euch das Christus gelehret, oder seine Apostel, Propheten oder Evangelisten? Zeiget mir, wo es stehet, ihr hohen Meister!«

Argulas Argumente wurden in Ingolstadt belächelt, und sie wurde als »dummes Huhn« und »weiblicher Teufel« abgetan. Doch ihr Ausruf »Zeiget mir, wo es stehet!« ist zum Ausruf aller wahren Gläubigen geworden. Wir werden dann akzeptieren, was jemand sagt, wenn er oder sie uns zeigen kann, wo es in der Bibel gelehrt wird.

Chester, Die Autorität der Bibel, Bad Oeyenhausen: Verbum Medien, S.9