Der Spaß nimmt heute einen großen Raum in der Gesellschaft ein. Alles muss Spaß machen. Die Schüler sollen in der Schule Spaß haben, die Mitarbeiter an der Arbeit. Kinder werden von ihren Eltern oder Großeltern bespaßt, Erwachsene kümmern sich selbst darum. Gefühlt ist der Spaß gegenwärtig das entscheidende Kriterium, um bestimmte Dinge zu tun oder sie sein zu lassen. Ich war nicht wenig erstaunt, als mir in der Schule gesagt wurde, dass es den Kindern vor allem Spaß machen muss. Manche Aufgaben werden ihnen freigestellt, die können sie dann bearbeiten, wenn es ihnen Spaß macht. Da frage ich mich: „Gehört die Note am Ende des Schuljahrs im Zeugnis dann auch zum Spaß?“
„Hauptsache Spaß!“ diesen Satz hören wir immer wieder. Ist der Spaß wirklich die Hauptsache? Vieles im Leben hat mit Spaß wenig zu tun und ist vielmehr Arbeit. Menschen, die in ihrem Leben erfolgreich sind, haben viel Arbeit investiert, sie haben Niederlagen eingesteckt, sie sind wieder aufgestanden und haben weitergemacht. Mit Spaß hat das häufig sehr wenig zu tun, vielmehr mit Geduld, Fleiß und Durchhaltevermögen. Wer einen guten Job haben möchte, muss vorher viel investieren. Wer ein gutes Haus haben möchte, muss viel investieren. Spaß steht dort eher unter „ferner liefen“, aber nicht an erster Stelle.
Die Einstellung „Hauptsache Spaße“ ist letztlich das Ergebnis postmodernen Denkens. Es gibt keine allgemeingültige Wahrheit mehr, kein Ziel, keine Hoffnung, kein Leben nach dem Tod. Wenn das so ist, zählt nur noch der Augenblick. Dann zählt vor allem das Hier und Jetzt, dann gilt es jetzt das Leben zu genießen. Ohne Zukunftshoffnung muss das Leben unbedingt in vollen Zügen genoßen werden. Das „Heute“ muss genutzt werden, da es ein „Morgen“ nicht gibt.
Mein Eindruck ist, dass diese Einstellung der Gesellschaft zum Spaß an uns Christen nicht spurlos vorübergeht. „Der Dienst für Gott sollte Spaß machen“, so denkt manch ein Christ. Und wenn es keinen Spaß macht? „Dann ist es nichts für mich!“ Das wird vermutlich niemand genau so sagen, aber das Verhalten deutet auf diese Denkmuster hin. Dabei geht es in der Nachfolge Jesu primär um ganz andere Dinge: Liebe und Dankbarkeit. Das Evangelium zeigt uns eindrücklich, wie sehr Gott uns Menschen liebt und wie groß das Werk Jesu ist. Es zeigt uns, wie Jesus sein Leben für uns hingegeben hat, wie wir durch ihn Zugang zum Vater und eine lebendige Hoffnung haben dürfen. Es zeigt uns aber auch wie sündig und verdorben wir sind und das wir die Errettung nicht verdienen können. Je mehr wir dies verstehen, desto größer wird unsere Liebe zu Jesus Christus. Da geht es dann nicht mehr um Spaß, sondern einfach um eine dankbare Antwort auf das, was Christus für uns getan hat.
Ein weiteres, mögliches Problem besteht darin, Spaß mit Freude zu verwechseln. Über Freude spricht die Bibel an vielen Stellen. Eine der bekanntesten ist sicherlich Philipper 4,4: Freuteuch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freuteuch! Wir werden dazu aufgerufen uns zu freuen, der Spaß ist davon eindeutig zu unterscheiden. Spaß beschreibt ein kurzfristiges, positives Gefühl, welches auch sehr schnell wieder vorbei ist. Die Freude, von der die Schrift spricht, ist hingegen nachhaltig, tief und erfüllend. Spaß lässt Menschen leer zurück, die Freude im Herrn erfüllt. Spaß lenkt die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt, die christliche Freude eröffnet die Ewigkeitsperspektive.
Wir sollten uns vor allem darauf konzentrieren, dass unsere Freude in Christus zunimmt. Diese Freude ist im Gegensatz zum Spaß kein kurzes, enttäuschendes Versprechen, sondern von Dauer und erfüllend. Diese Freude bleibt auch in schwierigen Zeiten, da wir sie in Christus haben dürfen. Das Kredo „Hauptsache Spaß!“ ist atheistisch und postmodern. Es spiegelt die Hoffnungslosigkeit unserer Zeit wieder. Wir Christen tun gut daran, wenn wir uns davon nicht leiten lassen, sondern stattdessen in der Freude die Jesus uns gibt, wachsen. Damit erhalten wir das, wonach wir uns letztlich alle sehnen.
