Die Autorität der Bibel

Die Frage nach der höchsten Autorität stellt sich in der Gemeinde Jesu seit ihrer Entstehung. Es begann bei den Aposteln, die vor dem Hohen Rat standen und entscheiden mussten, wem sie mehr gehorchen wollten. Es setzte sich in der Kirchengeschichte fort, als die Reformatoren vor der Frage standen, ob sie sich der Autorität der katholischen Kirche beugen oder dem Wort Gottes höhere Autorität einräumen sollten. Die Aufklärung führte dann zu der Frage, ob der Verstand die höchste Autorität hat und auch heute ist diese Frage gerade in kulturellen Kontext relevant. Der Feind versucht die Gemeinde Jesu immer wieder an ihrem Fundament anzugreifen, um sie ihrer Grundlage zu berauben. Nicht zuletzt deshalb ist das Buch Die Autorität der Bibel von Tim Chester von Bedeutung. Es klärt wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Autorität und liefert gute Gründe für die Glaubwürdigkeit und Vorrangstellung der Schrift.

Inhalt

Chester geht im Verlauf des Buches auf 5 Fragen ein und gibt somit einen kompakten Einstieg in das Thema. Folgende Fragen stellt der Autor :

1. Wessen Stimme zählt am meisten?

Heute sind viele Stimmen zu hören, die mit einer gewissen Autorität sprechen. Egal ob Wissenschaftler, Experten, Politiker usw. Alle können sich Irren, doch die Bibel ist irrtumslos und unfehlbar und somit absolut vertrauenswürdig. Entsprechend schreibt Chester:

„Die Antwort ist ganz einfach: Der einzige verlässliche Wegweiser auf dem Weg des Lebens ist die Bibel, das Wort Gottes. Sie ist die Straßenverkehrsordnung, die uns zeigt, was Gott von uns Menschen verlangt.“ S. 7

2. Warum hat die Bibel die höchste Autorität?

Sie hat die höchste Autorität, weil Gott durch sie spricht. Gott der über allen steht und alles in seiner Hand hält hat gesprochen. Es gibt niemanden, der mit einer höheren Autorität reden könnte.

3. Wann ist die Bibel das oberste Gebot?

Die Bibel ist überall dort oberstes Gebot, wo sie einen Bereich anspricht. Also in Glaubensfragen, aber auch bspw. in Bezug auf Wissenschaft oder Geschichte. Außerdem macht Chester klar, dass sie nur dann höchste Autorität ist, wenn sie richtig verstanden wird. Wenn Menschen beginnen etwas hinein zu interpretieren, was dort nicht steht, dann gilt das Prinzip für diese Interpretation nicht.

Chester geht in diesem Zusammenhang auf das Problem ein, dass Aussagen der Bibel unterschiedlich verstanden werden, auch wenn man sich beim Punkt der höchsten Autorität einig ist. Wie kann man damit richtig umgehen? Chester gibt drei Punkte mit auf den Weg.

– Was wir wissen müssen, ist klar verständlich

Das was für die Nachfolge wichtig ist, ist in der Schrift klar.

– Wir müssen mit demütigem Herzen kommen

Wir müssen bereit sein, dass zu tun was die Schrift sagt. Wir stellen uns unter die Schrift.

– Wir sind nicht auf uns allein gestellt

Heiliger Geist, Mitchristen, Gemeinde, Kirchengeschichte, Theologen

Er geht kurz auf Gewissensfragen (Römer 14) ein und macht deutlich, dass Christen dort unterschiedlich Handeln dürfen.

4. Warum ist die Autorität der Bibel wichtig?

Es gibt andere Autoritäten, welche gerne höchste Autorität sein wollen. Wer hat im Konfliktfall das Vetorecht? Hier ist eine klare Haltung entscheidend: Die Schrift steht über allem. Allein die Schrift bedeutet dabei allerdings nicht: „die Bibel und sonst nichts“. Klassischerweise werden in der Theologie drei weitere Erkenntnisquellen genannt: Verstand, Tradition, Erfahrung. Sie alle stehen aber unter der Schrift.

Was geschieht, wenn neben der Schrift eine weitere Autorität auf die gleiche Stufe erhoben wird?

Schrift und Tradition: katholische Kirche → Religion

Schrift und Verstand: Aufklärung → Der Mensch ist das Maß aller Dinge

Schrift und Erfahrung: Gefühle → „Was ich fühle muss richtig sein“

5. Wie wirkt die Autorität der Bibel?

Das Wort Gottes ist lebendig, es hat Kraft. Der Heilige Geist wirkt durch das Wort in unseren Herzen. Sein Wort belebt uns, es erleuchtet unsere Herzen. Durch sein Wort herrscht Gott über sein Volk. Psalm 29 beschreibt die große Kraft des Wortes Gottes.

„Durch sein Wort bringt Gott uns aktiv in eine Beziehung zu ihm, um erneut Herr über unser Leben zu sein. Er tut dies nicht einfach, indem er uns Befehle entgegen brüllt. Ja, die Bibel zeigt klar Gottes Willen auf. Aber Gott spricht durch die Bibel, um uns zu umwerben und zu gewinnen. Die Bibel ist ein Liebesbrief von Christus an seine Braut, der uns seine Liebe zusichert und unsere Liebe erwidert.“ S. 29

Fazit

Chester spricht mir mit diesem Buch aus der Seele. Er behandelt in diesem Werk ein Thema, welches in der Kirchengeschichte von großer Bedeutung war und zu entscheidenden Wendepunkten in der Geschichte geführt hat. Bis heute hat dieses Thema nichts von seiner Relevanz eingebüßt. Wenn der Punkt der höchsten Autorität aufgeweicht wird, führt das immer in die Irre. Die Kirchengeschichte ist voll von solchen Beispielen. Eine große Stärke des Buches ist, dass Chester die Autorität der Bibel nicht auf Glaubensfragen reduziert, sondern sie als Gottes Wort sieht, welches in ganz unterschiedliche Bereiche unseres Lebens hineinspricht und Lektionen für uns bereithält.

Dieses Buch sollte für Leiter einer Gemeinde Pflichtlektüre sein, es ist aber auch jedem Christen wärmstens zu empfehlen. Letztlich ist es wichtig, dass sich jede Generation neu mit der Autorität der Schrift beschäftig und zu einem klaren Ergebnis kommt.

Hinweis: Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.