Kaum eine Sünde, zu der das menschliche Herz fähig ist, ist Gott mehr ein Greuel als der Götzendienst; denn er ist eine Beleidigung Gottes. Das götzendienerische Herz setzt voraus, daß Gott anders ist, als er ist – schon dies ist eine ungeheure Sünde -, und ersetzt den wahren Gott durch einen, der der eigenen Vorstellung entspricht. Dieser Gott ist stets ein Abbild seines Schöpfers und wird gemein oder rein, grausam oder gütig sein – je nach der moralischen Verfassung des Geistes, dem er entsprungen ist. Ein Gott, der in einem finsteren Herzen eines gefallenen Menschen geboren wurde, wird niemals echte Ähnlichkeit mit dem wahren Gott aufweisen. »Da meinst du«, sagt der Herr im Psalm zum Gottlosen, »ich sei so wie du« (Ps 50,21). Dies ist zweifellos eine ernstzunehmende Beleidigung des Allerhöchsten, dem die Cherubime und Seraphime unaufhörlich zurufen: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth!« Geben wir acht, daß wir in unserem Stolz nicht der irrigen Meinung verfallen, nur das sei Götzendienst, wenn man vor Gegenständen niederkniet und sie anbetet und darum gäbe es ihn bei zivilisierten Völkern nicht! Das Wesen des Götzendienstes besteht im Festhalten an Gottesvorstellungen, die Gottes unwürdig sind. Er nimmt seinen Anfang im menschlichen Geist und kann auch dort vorhanden sein, wo er sich nicht in äußeren religiösen Handlungen zeigt. »Obwohl sie von Gott wußten«, schreibt Paulus, »haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert« (Rom 1,21). Dann folgte die Anbetung von Götzen in der Gestalt von Menschen, Vögeln, vierfüßigen und kriechenden Tieren. Diese ganze Reihe entwürdigender Taten hat ihren Ursprung im Geist des Menschen. Verkehrte Gottesvorstellungen sind nicht nur die Quelle, aus der das verseuchte Wasser des Götzendienstes fließt, sondern sie sind selbst Götzendienst. Der Götzendiener macht sich seine eigenen Vorstellungen von Gott und handelt, als seien sie wahr.
A.W. Tozer, Das Wesen Gottes, S. 12-13.
