Notizen zum Römerbrief (5)

Der religiöse Mensch


Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest! Denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du, der du richtest, verübst ja dasselbe! Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, welche so etwas verüben. Denkst du etwa, o Mensch, der du die richtest, welche so etwas verüben, und doch das Gleiche tust, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Römer 2,1-4

Vers 1 Der religiöse Mensch ist ein Experte in der Beurteilung fremder Sünden

Er richtet den anderen. Sein Blick ist auf andere Menschen und ihre Taten gerichtet. Jesus sprach über den Splitter im Auge des Bruders. Der religiöse Mensch ist ein Augensplitter-Experte. Er sieht beim Nächsten einen noch so kleinen Splitter. Er kann die Sünden anderer sehr gut beurteilen. Er kennt sich sehr gut mit der Sünde aus – mit der Sünde anderer.

Ohne es zu merken verurteilt er sich damit selbst. Paulus argumentiert hier nämlich, dass diese Menschen, die über anderen zu Gericht sitzen, letztlich sich selbst verurteilen. Sie richten andere wegen ihrer Sünde und sündigen dabei selbst. Sie erkennen bei anderen die Sünde und damit erkennen sie an, das es Sünde ist. Damit verurteilen sie sich allerdings selbst, weil sie ebenfalls Sünder sind.

Vers 1-2 Der religiöse Mensch macht sich selbst zum Richter

Der religiöse Mensch richtet andere Menschen. Zur richten bedeutet, andere zu verurteilen, etwas zu bestimmen oder zu entscheiden. Es bedeutet in diesem Fall die Sünden des Nächsten zu sehen und zu verurteilen. Es bedeutet, sich über den anderen zu erheben und das Gerichtsurteil über ihn zu sprechen. Er erhebt sich zum Richter.

Der Apostel macht hier deutlich, dass der eigentliche Richter Gott ist. Gott wird die Sünder richten. Jeder Sünder wird von Gott zur Rechenschaft gezogen werden und muss sich im Gericht für das verantworten, was er getan hat. Niemand wird straffrei davonkommen, der sein Leben lang in Sünde lebte. Paulus stellt hier alles auf den richtigen Platz. Richten wird nicht der Mensch, Gott wird richten. Er möchte die Sicht des religiösen Menschen korrigieren. Er verkennt seine eigene Situation und hat einen Mangel an Gotteserkenntnis.

Am Ende wird das Urteil des religiösen Menschen nicht zählen, welches er über andere gefällt hat. Am Ende zählt nur das Urteil Gottes. Sein Urteil wird der Wahrheit entsprechend ergehen und gerecht sein. Der religiöse Mensch sitzt nicht auf dem Richterstuhl, er sitzt auf der Anklagebank.

Vers 3 Der religiöse Mensch ist für seine eigenen Sünden blind

Meinst er, dass er dem Gericht entgehen wird, weil er glaubt, viel frommer und besser als andere zu sein? „Ich habe schon einen guten Stand erreicht, ich mache so viel für Gott! Ja, der und der muss Buße tun, aber bei mir sieht es ziemlich gut aus.“ So denkt ein religiöser Mensch.

Der religiöse Mensch schaut so sehr auf andere und ihre Taten, dass er für die eigene Sünde blind wird. Er sieht nur die Sünden der anderen. Er kann sich vortrefflich darüber auslassen, was dieser und jener so alles falsch gemacht hat. Dabei übersieht er gänzlich seine eigenen Sünden.

Vers 4 Der religiöse Mensch zeigt wenig Bußfertigkeit

Der religiöse Mensch bedarf der Buße. Ein bußfertiges Herz, welches sich nicht über andere überhebt, andere nicht richtet, sondern auf den eigenen Zustand schaut und die eigene Sündhaftigkeit erkennt. Der religiöse Mensch sieht die Sündhaftigkeit bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst.