1. Die Notwendigkeit eines Priesters
Der Priester übernahm im Volk Israel eine wichtige Funktion. Er war der Vermittler zwischen Gott und dem Volk. Dieser Dienst wurde von dem Priester in zwei Richtungen ausgeübt. Zum einen vertrat er das Volk vor Gott. Die Menschen opferten Gott nicht selbst, sie kamen zu dem Priester, der das Opfer für sie übernahm. Gott hatte unterschiedliche Opfer angeordnet. Für unterschiedliche Vergehen mussten Opfer gebracht werden. Die Leute brachten diese zu den Priestern und sie opferten. Sie erwirkten für den Menschen Sühnung, der gesündigt hatte. Sie gingen in das Heiligtum hinein und verrichteten die von Gott vorgegebenen Handlungen. Normale Israeliten durften das Heiligtum nicht betreten, sie brauchten also jemand, der dies für sie tun konnte. Gott ist heilig und dies kam in der Stiftshütte und später im Tempel zum Ausdruck. Niemand durfte sich dem heiligen Gott einfach so nahen. Nur die Priester, die für diese Aufgabe besonders ausgewählt und geheiligt wurden, durften das Heiligtum betreten und für das Volk eintreten.
Die Notwendigkeit der Priester ist darauf zurück zu führen, dass auf der einen Seite der vollkommene, heilige Gott steht und auf der anderen Seite der sündige Mensch. Sündige Menschen können sich Gott nicht einfach nahen, sie brauchen einen Mittler. Ein weiteres Beispiel für diese Tatsache ist das Volk Israel am Berg Sinai. Das Volk war am Fuß des Berges und Gott war auf dem Berg. Mose machte am Fuße des Berges eine Grenze, die das Volk nicht überschreiten durfte. Sie durften sich Gott nicht einfach nahen, wenn es doch jemand täte und die Grenze überschritt, musste er sterben. Das Volk konnte dem heiligen Gott also nicht einfach begegnen, es bedurfte eines Mittlers, und dies war Mose.
Zum anderen vertrat der Priester Gott vor dem Volk. Der Priester hatte auch die Aufgabe das Volk im Gesetz zu unterweisen. Er sollte dem Volk vermitteln, was Gott von ihnen erwartete. Im Falle eines Rechtsstreits sollte der Priester außerdem Recht sprechen. In einem Gerichtsprozess sollte er das Gesetz Gottes anwenden.
Der Priester war also ein Mittelsmann, der zwischen Gott und Menschen stand. Er übernahm in Israel eine zentrale, grundlegend bedeutende Funktion. Durch ihn konnten sich die Israeliten Gott nahen, durch ihn konnten sie Gott Opfer bringen und wurden im Gesetz unterwiesen.
2. Die Notwendigkeit eines vollkommenen Priesters
Nun gab es aber ein Problem mit den Priestern. Sie waren nicht vollkommen. Wenn nun durch das levitische Priestertum die Vollkommenheit [gekommen] wäre – denn unter diesem hat das Volk das Gesetz empfangen –, wozu wäre es noch nötig, dass ein anderer Priester nach der Weise Melchisedeks auftritt und nicht nach der Weise Aarons benannt wird? Heb. 7,11
Sie konnten keine vollkommene Sühnung bewirken. Diese Priester waren eine Übergangslösung. Sie waren der Schatten und nicht das Original. Da sie unvollkommen waren, mussten sie sterben.
Und jene sind in großer Anzahl Priester geworden, weil der Tod sie am Bleiben hinderte; Heb. 7,23
Weil nun der Tod sie am Bleiben hinderte, gab es immer wieder neue Priester. Wenn dann der Nachfolger kam, war nicht klar, wie dieser sein würde. Würde er genauso gerecht und gottesfürchtig wie der Vorherige sein?
Sie waren außerdem mit Schwachheit behaftet: Denn das Gesetz bestimmt Menschen zu Hohenpriestern, die mit Schwachheit behaftet sind; Heb. 7,28 Sie waren sündige Menschen und mussten deshalb, bevor sie für das Volk opferten, zunächst für ihre eigenen Sünden opfern (Heb. 7,27) Es gab auch Situationen, wo die Priester komplett vom Weg abkamen, z.B. die Söhne Elis. Was sollte denn das Volk da tun? Da gab es gottesfürchtige Menschen die Gott dienen und ihm opfern wollten, doch die von Gott vorgesehenen Mittler verachteten das Heilige und traten es mit Füßen.
Die Priester mussten des Weiteren täglich opfern (Heb. 7,27). Ein Opfer genügte nicht, die Wirkung der Opfer waren also begrenzt. Sie galten zum Einen nicht für alle Sünden, zum Anderen waren sie zeitlich begrenzt.
Dies alles zeigt die Vorläufigkeit des alttestamentlichen Priestertums. Es war von vorbereitender Art und sollte den Weg für den eigentlichen, den vollkommenen Priester ebnen. Es war der Schatten, die eigentliche Person, die den Schatten warf, ist Jesus Christus. Denn ein solcher Hoherpriester tat uns not Heb. 7,26. Genau solch einen Hohenpriester brauchen wir: Jesus Christus. Er ist der vollkommene Mittler, der uns in vollkommener Weise vor dem Vater vertritt und für uns einsteht. Jesus versagt nicht, er sündigt nicht, er handelt nicht im eigenen Interesse, sondern ist der vollkommene Mittler, den wir Menschen brauchen.
Jesus ist der ewige Priester (Heb. 7,16-17). Sein Dienst nimmt kein Ende, er wird nicht irgendwann abgelöst. Es muss also keine Nachfolgefrage gestellt werden, dementsprechend ist sein Priestertum unübertragbar (Heb. 7,23-24). Aufgrund seiner Vollkommenheit ist seine Errettung vollkommen: Daher kann er auch diejenigen vollkommen erretten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er für immer lebt, um für sie einzutreten Heb. 7,25. Wir müssen uns nicht immer wieder um neue Opfer bemühen, sondern können auf das ein für allemal geopferte Opfer Jesu stützen. Sein Opfer ist dabei nicht nur für die vergangenen Sünden wirksam, sondern auch für die zukünftigen, sofern wir an Jesus festhalten.
3. Die Bedeutung für uns
Jesus, der Hohepriester tritt für uns ein. Johannes nennt ihn unseren Fürsprecher: Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; 1. Joh. 2,1
Wenn wir sündigen, haben wir Jesus, den Hohenpriester, der für uns eintritt. Er hat sein Blut für unsere Sünden vergossen und das ein für allemal gültige Opfer dargebracht. Wenn wir nun wegen unserer Sünden Gott um Vergebung bitten, so setzt sich Jesus für uns ein. Aufgrund seines Werkes und seines Dienstes vergibt Gott uns. Wenn uns unsere Sünde zu schaffen macht, dann dürfen wir auf Jesus, den Hohenpriester blicken. Er ist unsere Hoffnung!
Heb. 4,16 eröffnet uns eine weitere Perspektive: Aufgrund des Dienstes Jesu als Hoherpriester dürfen wir mit Freimut vor den Thron der Gnade treten. Ohne Furcht, ohne Zweifel. Die Hohenpriester durften nur einmal im Jahr in das Allerheiligste gehen, um vor die Bundeslade zu treten. Der Deckel der Lade wurde Hilasterion genannt, auf Deutsch „Gnadenthron“. Sie traten mit großer Furcht und Zittern davor, da es sehr genaue Vorschriften dafür gab, was sie dort tun sollten. Eine Missachtung würde den Tod bedeuten. Jesus ist unser Hohepriester, der uns vor Gott vertritt und dies bedeutet, dass wir nun Zugang zum Gnadenthron haben und zwar mit Freimut. Welch eine Gnade!
