»Ich glaube, du hast Aslan gesehen«, sagte Edmund.
»Aslan!«, sagte Eustachius. »Ich habe den Namen schon mehrmals gehört, seit wir auf der Morgenröte sind. Und ich hatte das Gefühl – ich weiß nicht –, ihn zu hassen. Aber damals habe ich ja alles gehasst. Übrigens möchte ich mich entschuldigen. Ich fürchte, ich war sehr unangenehm.«
»Schon gut«, sagte Edmund. »Im Vertrauen: Du warst nicht so schlimm wie ich auf meiner ersten Reise nach Narnia. Du warst nur ein Scheusal, aber ich war ein Verräter.«
»Erzähle mir lieber nichts darüber«, sagte Eustachius. »Aber wer ist Aslan? Kennst du ihn?«
»Nun – er kennt mich«, antwortete Edmund.
C.S.Lewis, Die Reise auf der Morgenröte, S. 93.
Vielleicht hat C.S. Lewis an folgende Bibelstelle gedacht, als er den zitierten Abschnitt verfasste:
Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 1. Kor. 13,12
Paulus spricht von einer Erkenntnis, die Stückwerk ist. Solange wir Menschen auf der Erde sind, ist unsere Erkenntnis von Gott über weite Strecken unvollkommen. So ging es Edmund in Bezug auf Aslan. Seine Kenntnis über ihn war nicht sehr ausgeprägt, aber eines wusste er ganz genau: „Aslan kennt mich persönlich“. Edmund hatte dies in besonderer Weise erlebt, als er zum Verräter wurde und Aslan ihn vor dem Tod rettete. Aslan kannte Edmund durch und durch, er kannte seine Motive und seine Sehnsüchte.
Allerdings ist das noch nicht alles, es geht um die persönliche Beziehung. Wenn Paulus schreibt „gleichwie ich erkannt bin“ dann spricht er genau diesen Punk an. Er schreibt hier als einer, den Gott kennt. Natürlich kennt Gott jeden Menschen, doch hier geht es um ein persönliches Kennen. Nehmen wir einen berühmten Fussballer. Ich kann sehr viele Fakten über ihn sammeln und somit viel über ihn wissen, doch persönlich kenne ich ihn nicht. Ich bin ihm nie persönlich begegnet, ich habe mit ihm nie gesprochen, ich habe keine persönliche Beziehung zu ihm. Genau darum geht es aber, wenn es um die Kenntnis Gottes in Bezug auf uns geht.
Deshalb sagt Jesus in Mt. 7,23:
Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!
Gerhard Maier schreibt dazu:
Er stellt zunächst fest: »Niemals habe ich euch gekannt« Natürlich kann das nicht heißen: ich wußte nicht von euch. Jesus wußte ja bis ins letzte um sie. Sondern »kennen« hängt hier mit dem »Erkennen« zusammen, das von Adam in Beziehung auf Eva in 1. Mose 4, 1 ausgesagt ist. Es meint also die reale persönliche Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft mit Jesus haben die Verurteilten entweder niemals oder am Schluß nicht mehr gestanden.
Gerhard Maier, Matthäus-Evangelium, hg. von Gerhard Maier, Bd. 1, Edition C Bibelkommentar Neues Testament (Holzgerlingen: Hänssler, 2007), 248.
Es ist also von entscheidender Bedeutung, dass Jesus uns kennt. Unsere Erkenntnis über ihn ist begrenzt und unvollkommen, doch wenn er uns kennt, haben wir ewiges Leben.
