{"id":1194,"date":"2026-01-20T06:30:00","date_gmt":"2026-01-20T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/heiland-herr.de\/?p=1194"},"modified":"2026-01-20T16:39:52","modified_gmt":"2026-01-20T15:39:52","slug":"blacklist-vs-whitelist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/heiland-herr.de\/?p=1194","title":{"rendered":"Blacklist vs. Whitelist"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Informationstechnik gibt es zwei unterschiedliche Ans\u00e4tze, wie man bspw. mit ankommenden Netzwerkpaketen umgeht: Blacklist- und Whitelist-Ansatz. Der Blacklist-Ansatz geht nach folgender Logik vor: Was explizit auf der Liste steht, das ist verboten, alles andere ist erlaubt. Der Whitelist-Ansatz dreht diese Logik um: Was explizit auf der Liste steht, ist erlaubt, alles andere ist verboten. Je nachdem was man erreichen m\u00f6chte, verwendet man entweder eine Black- oder eine Whitelist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Konzept m\u00f6chte ich darauf adaptieren, was der \u00c4lteste in der Gemeinde fordern darf und was nicht. Ich habe in diesem Zusammenhang schon \u00f6fters eine Aussage geh\u00f6rt, die dem Blacklist-Ansatz entspricht: \u201eDer \u00c4lteste darf alles fordern, solange es der Schrift nicht widerspricht.\u201c Nur wenn eine Forderung konkret gegen die Schrift geht, d\u00fcrfen Gemeindeglieder ungehorsam sein. Diesem Ansatz folgend haben \u00c4lteste sehr weitreichende Befugnisse in der Gemeinde. Sie k\u00f6nnen an sehr vielen Stellen in das Leben ihrer Gemeindeglieder eingreifen und ihnen Vorschriften machen. Sie k\u00f6nnen ihnen z.B. verbieten, rote Kleidungsst\u00fccke zu tragen oder verbieten ihnen einen bestimmten Messenger zu verwenden. Es widerspricht keiner konkreten Bibelstelle und ist somit das Recht des \u00c4ltesten.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig wird in diesem Zusammenhang auf die Bibelstelle aus Heb. 13,17 hingewiesen: <em>Gehorcht<\/em><em> euren F\u00fchrern und f\u00fcgt euch ihnen; denn sie wachen \u00fcber eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das w\u00e4re nicht gut f\u00fcr euch!<\/em> Tats\u00e4chlich fordert die Schrift den Gehorsam der Gemeindeglieder gegen\u00fcber dem \u00c4ltesten ein, dies steht auch gar nicht zur Debatte. Gott setzt \u00c4lteste ein, damit sie seine Herde f\u00fchren, \u00fcber die Seelen der Gl\u00e4ubigen wachen und sie recht belehren. Sie haben von Gott Verantwortung f\u00fcr andere Christen erhalten und m\u00fcssen einmal vor Gott Rechenschaft daf\u00fcr ablegen. Der Hebr\u00e4erschreiber verwendet in diesem Text zwei Worte, um den Gehorsam gegen\u00fcber den F\u00fchrern zum Ausdruck zu bringen. Das Wort am Anfang des Verses, welches Schlachter mit \u201eGehorcht\u201c \u00fcbersetzt ist <em>peith<\/em><em>\u014d<\/em>. Am h\u00e4ufigsten wird es mit \u201e\u00fcberzeugen\u201c ins Deutsche \u00fcbersetzt, au\u00dferdem aber auch mit \u201eVertrauen\u201c, \u201e\u00fcberreden\u201c, \u201egehorchen\u201c. Es geht also um keinen blinden Gehorsam, sondern einen Gehorsam der aus \u00dcberzeugung erfolgt. Das zweite Wort \u201ef\u00fcgt\u201c lautet im Griechischen <em>hypeik<\/em><em>\u014d<\/em>. Es kann auch mit \u201eanerkennen\u201c, \u201esich unterwerfen\u201c oder \u201euntertan sein\u201c wiedergegeben werden. Es kommt im NT nur an dieser Stelle vor und bringt eine freiwillige, bewusste Unterordnung zum Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also unbestritten, dass Gemeindeglieder sich den \u00c4ltesten unterordnen sollen. Die Frage ist nur, wo die Grenzen des Gehorsams sind? Oder anders formuliert: Wie weit darf der \u00c4lteste gehen? Darf er alles fordern, solange es der Schrift nicht konkret widerspricht? Ist der Blacklist-Ansatz biblisch?<\/p>\n\n\n\n<p>Aufschlussreich ist hier der Vers 7, der im gleichen Kapitel steht: <em>Gedenkt an eure F<\/em><em>\u00fchrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach!<\/em> Das was die F\u00fchrer hier charakterisiert ist, dass sie das Wort Gottes gesagt haben. Es geht um M\u00e4nner, die von der Schrift gepr\u00e4gt sind, die mit dem Wort leben und mit dem Wort Menschen \u00fcberzeugen. Sie geben nicht ihre eigenen Vorstellungen weiter, sondern das Wort Gottes. Sie binden sich an das Wort. Das was dieser Vers hier beschreibt, ist der Whitelist-Ansatz. Die \u00c4ltesten fordern nur das, was das Wort Gottes fordert. Ihr Rahmen ist die Schrift, in diesem Rahmen bewegen sie sich.<\/p>\n\n\n\n<p>In 1. Pet. 5,4 betont der Apostel, dass die Hirten der Gemeinde unter dem obersten Hirten (Erzhirten) Jesus Christus stehen. Nicht sie sind es, die sagen wo es lang geht und was zu tun ist, sondern Jesus Christus. Er ist das Haupt der Gemeinde (Kol. 1,18). Er bestimmt den Kurs, er sagt was richtig und was falsch ist. Ihre Aufgabe ist es, ihrem Erzhirten Jesus Christus zu folgen und die Gemeinde zu dem Erzhirten zu f\u00fchren. Die Hirten der Gemeinde sind demnach dazu aufgefordert das zu lehren, was Christus lehrt. Dort kommt auch ihre Autorit\u00e4t her. Sie sind ihrem Hirten Jesus Christus treu, sie sind ihm gehorsam und geben sein Wort weiter. Sie sprechen also nicht in ihrem eigenen Namen, geben nicht ihre eigenen Vorstellungen weiter, sondern Gottes Wort. Deshalb sind die Glieder der Gemeinde auch verpflichtet zu gehorchen. Sie gehorchen Gott, weil Gott gesprochen hat und der \u00c4lteste dies weitergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere wichtige Stelle, die den Whitelist-Ansatz verdeutlicht ist 1. Pet. 4,10-11:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes: Wenn jemand redet, so [rede er es] als Ausspr\u00fcche Gottes; wenn jemand dient, so [tue er es] aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht wird durch Jesus Christus. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Petrus setzt in diesem Text den Rahmen, f\u00fcr diejenigen, die in der Gemeinde durch das Reden dienen. Er sagt was der Inhalt des Redens sein soll: die Ausspr\u00fcche Gottes, also das Wort Gottes. Die \u00c4ltesten belehren die Gemeinde vor allem durch das Reden, indem sie verk\u00fcndigen oder durch Einzelgespr\u00e4che usw. Dieses Reden soll Wort Gottes sein. Sie geben also nicht das Wort Gottes weiter und daneben auch ihre Vorstellungen und Gedanken. Sie legen der Gemeinde keine Regeln auf, die sie neben der Schrift f\u00fcr notwendig erachten, nach dem Motto: \u201eSolange es der Schrift nicht widerspricht, sind wir dazu berechtigt\u201c. Nein, sie reden das was sie reden, als Ausspr\u00fcche Gottes und nichts dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Herbert Jantzen schreibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><br><em>Wenn ich sage: \u201eWo die Schrift mich nicht verpflichtet, bin ich frei zu tun, was ich will\u201c, ist die Schrift nicht mein alleiniger Ma\u00dfstab. Ich habe dann bereits zwei Autorit\u00e4ten: die Schrift und mich selbst. Das geht aber nicht. Wir sind ganz auf die Schrift gestellt und haben in allen Bereichen unseres Lebens auf sie zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/www.sermon-online.com\/de\/contents\/27318\">Die Hauptlehren der Heiligen Schrift: Band 7b Verantwortung und Wegbestimmung in der Gemeinde, Seite 7.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die gilt genauso, wenn \u00c4lteste sagen: \u201eWenn es der Schrift nicht widerspricht, darf ich das regeln\u201c Auch da wird neben der Schrift eine weitere Autorit\u00e4t aufgerichtet. Dies widerspricht aber eindeutig dem Selbstanspruch des Wortes Gottes h\u00f6chste Autorit\u00e4t zu sein. Die Autorit\u00e4t der \u00c4ltesten ist immer abgeleitete Autorit\u00e4t. Sie haben dann Autorit\u00e4t, wenn sie das Wort Gottes weitergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bedeutet dies nun, dass \u00c4lteste nichts selbst regeln d\u00fcrfen? Ich denke nicht. An dieser Stelle m\u00fcssen wir zwischen geistlichen und organisatorischen Fragen unterscheiden. In geistlichen Fragen und Fragen der Lehre ist immer die Schrift zu gebrauchen. In Fragen der Organisation darf der \u00c4lteste hingegen sehr wohl konkrete Regelungen etablieren. Das Wort Gottes sagt nicht konkret, wie der Gottesdienst zu gestalten ist oder wie h\u00e4ufig Gottesdienste stattzufinden haben usw. Dies sind organisatorische Regelungen die in Gemeinden unterschiedlich getroffen werden und wo solch eine Regelung auch notwendig ist. Sie sind f\u00fcr Gemeinschaft \u00fcberhaupt erst die Grundlage. Diese organisatorischen Fragen haben dabei nicht die gleiche Autorit\u00e4t, wie geistliche Fragen. Sie dienen dem geordneten Zusammenleben in der Gemeinde, binden aber nicht das Gewissen, wie es bei geistlichen Fragen der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autorit\u00e4t der \u00c4ltesten in der Gemeinde ist keine eigenst\u00e4ndige, sondern eine von Gott abgeleitete Autorit\u00e4t und findet ihre klare Grenze im Wort Gottes. Gehorsam gegen\u00fcber den \u00c4ltesten ist daher immer Gehorsam gegen\u00fcber Gott und setzt voraus, dass sie Gottes Wort weitergeben. Eine biblische Gemeindeleitung folgt deshalb nicht dem Blacklist-, sondern dem Whitelist-Ansatz: Sie fordert nur das, was Gott selbst fordert, und dient der Gemeinde innerhalb dieses Rahmens.<\/p>\n\n\n\n<p>PS: Als Erg\u00e4nzung empfehle ich den Artikel <a href=\"https:\/\/heiland-herr.de\/?p=887\">Gottes Wort und Autorit\u00e4t<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Informationstechnik gibt es zwei unterschiedliche Ans\u00e4tze, wie man bspw. mit ankommenden Netzwerkpaketen umgeht: Blacklist- und Whitelist-Ansatz. Der Blacklist-Ansatz geht nach folgender Logik vor: Was explizit auf der Liste steht, das ist verboten, alles andere ist erlaubt. Der Whitelist-Ansatz dreht diese Logik um: Was explizit auf der Liste steht, ist erlaubt, alles andere ist&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[94,129,116],"class_list":["post-1194","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachgedacht","tag-aelteste","tag-autoritaet","tag-sola-scriptura"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1194","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1194"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1194\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1197,"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1194\/revisions\/1197"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/heiland-herr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}