Das dreifache Amt Jesu: Der König (2)

1. Die Notwendigkeit eines Königs

Seit der Herausführung Israels aus Ägypten bis zur Zeit Samuels gab es in Israel keinen König. Der Staat Israel war als Theokratie angelegt, d.h. Gott war ihr König. Gott hatte das Volk aus Ägypten herausgeführt, er hatte für sie gekämpft, er gab ihnen das Gesetz und rettete sie aus schwierigen Lagen. Obwohl nun Gott der eigentliche Führer war, setzte er Männer ein, die das Volk in seinem Auftrag führten. Zunächst Mose, dann Josua und schließlich die Richter. Somit hatte das Volk fast durchgehend jemanden als Führer, auch wenn Gott der eigentliche Herr war.

Dies ist auch gut nachvollziehbar. Eine Gruppe braucht jemanden, der sie anleitet und vorangeht. Sie braucht jemanden, auf den sie schauen kann, eine Führungsperson. Jemand, der sie führt, wenn es kritisch wird. Jemand, der mutig gegen den Feind kämpft und dafür sorgt, dass sie sicher wohnen können. Jemand, der in einem Rechtsfall gerecht richtet und das Reich aufbaut, sodass der Handel floriert und der Wohlstand zunimmt. Gerade in Krisenzeiten suchen die Menschen nach einem starken Mann, der sie führen kann. Beim Volk Israel ist die Zeit der Richter dafür das beste Beispiel. Sie gerieten öfter in schwierige Lagen und riefen dann nach einem starken Mann, der ihnen helfen und gegen die Feinde kämpfen könnte.

Die Zeit der Richter kippte mit den Söhnen Samuels, weil sie nicht so wie ihr Vater waren. Sie ließen sich bestechen, ihnen ging es nicht um Gerechtigkeit, sondern um Gewinn. So entstand bei dem Volk der Wunsch nach einem König, der gerecht ist, das Volk weise regiert und bei Gefahr schützt und verteidigt. Sie sahen auf die Heidenvölker ringsum und wollten genau die gleiche Regierungsform. Gott gebietet Samuel auf das Volk zu hören, d.h. er war nicht grundsätzlich dagegen, dass das Volk durch einen König geführt wurde. Er hatte vorher ja schließlich auch andere Männer eingesetzt, die das Volk führten. Außerdem hatte er in 5. Mose 17,14-20 das Königsgesetz formuliert. Gott hatte aber ein Problem damit, wie sie zu ihm standen. Anstatt ihm zu vertrauen und von ihm alles zu erwarten, setzten sie ihre Hoffnung in einen irdischen Führer. Sie hatten damit Gott verworfen.

Der Wunsch nach einem König ist gut nachvollziehbar. Ein König, der gerecht, mutig und voll Liebe für sein Volk ist. Ein Leiter, der die Probleme des Volkes versteht und dafür Lösungen findet, der sich für es einsetzt und in schwierigen Situationen vorangeht. Der Verantwortung übernimmt und seinem Volk nur das Beste wünscht. Ein Herrscher, dessen Gesetz nicht niederdrückt, sondern aufbaut und gedeihen lässt. Der in Krisen Stärke beweist und einen kühlen Kopf behält, um schwierige Entscheidungen treffen zu können. Der sich nicht für etwas ganz Besonderes hält, sondern die Probleme des einfachen Volkes versteht und nahbar bleibt. Er sorgt in seinem Reich für Frieden, Wohlstand und Wohlergehen.

2. Die Notwendigkeit eines vollkommenen Königs

Ja, Gott hatte den Wunsch des Volkes nach einem König erhört. Er gab ihnen Saul, doch Saul scheiterte auf ganzer Linie. Sein Verhalten war destruktiv und führte zu einer Spaltung, bevor David dann die Führung des ganzen Reiches übernahm. Doch auch David war kein perfekter König, obwohl er für alle späteren Könige als Messlatte galt. Er versagte z.B. im Fall von Batseba oder auch bei der Volkszählung. Dies führte dazu, dass es dem Volk schlecht erging. Auch die weiteren Könige reihen sich hier ein, sie waren sündige Menschen und versagten. Hatte sich die Hoffnung des Volkes erfüllt? Hatten sie den König bekommen, den sie sich so sehr wünschten?

Nein, sie erhielten Herrscher, die fehlten, die versagten und enttäuschten. Sie neigten dazu, die Person anzusehen, sich zu überheben oder einen falschen Weg einzuschlagen. Sie alle waren keine perfekten Könige.

Doch da gab es diese eine Situation bei König David, als er den Wunsch hatte, Gott ein Haus zu bauen. Gott verwehrt ihm diesen Wunsch zwar, gab ihm stattdessen aber eine Verheißung, die es in sich hatte. Die Verheißung besagte, dass Gott David ein Haus bauen und seinen Thron auf ewig befestigen würde. Es würde ein Nachkomme aus der Linie Davids kommen, der der ewige König ist und für immer auf dem Thron sitzt. Dies würde der vollkommene König sein.

Die Israeliten kannten diese Verheißung und so warteten sie auf den Einen, den vollkommen gerechten und einzigartigen König. Sie warteten auf den Sohn Davids, der aus dem Stamme Juda kommen sollte und von den Propheten angekündigt wurde. Er würde die Interessen des Volkes in vollkommener Weise vertreten und eine gerechte Herrschaft aufrichten. Er würde sich vor sein Volk stellen, damit Verantwortung übernehmen, seine Liebe zeigen und sie aus ihrer Not retten. Er würde sie von ihren Feinden retten und die Gottlosen richten. Er würde der perfekte König, absolut gerecht und gleichzeitig gütig und voller Liebe sein.

Dies alles erfüllt sich in Jesus, der auf die Erde kam und dieser langersehnte König ist. Er war vollkommen gerecht und voller Gnade und Wahrheit. Dabei ließ er sich nicht von anderen bedienen, sondern diente den Menschen. Er nahm sich für einzelne Menschen Zeit und scheute sich nicht Gesellschaftsschichten aufzusuchen, für die andere nur Verachtung übrig hatten. Viele Kranke wurden von ihm geheilt und erhielten eine neue Perspektive. Jesus hatte ein Herz für die Not der Menschen, er ging nicht einfach gefühllos daran vorbei, sondern nahm Anteil und linderte diese. Doch war sein Hauptaugenmerk nicht darauf gerichtet den Menschen einfach das Leben zu erleichtern, vielmehr ging es ihm um ihre geistliche Not. Jesus kam also nicht einfach, um den Menschen ein paar gute Ratschläge zu geben und ihr Leben auf der Erde zu verbessern, er kam um das größte Problem der Menschheit zu lösen: die Sünde.

Jesus starb am Kreuz und bewies damit, welch ein großer König er ist. Er ist nicht einer, der das Heer in den Kampf schickt und selbst von hinten alles lenkt, nein er stellte sich im Kampf in die vorderste Linie und errang den Sieg, den wir nicht erringen konnten. Er opferte sein Leben, damit wir leben können. Durch seine Tat zeigte er, wie sehr er uns liebt und wie viel wir ihm wert sind. Das ist ein echter König, der sein eigenes Leben opfert, sodass Menschen gerettet werden können. Er bringt uns den eigentlichen Frieden, nämlich den Frieden mit Gott. Er gibt den Menschen Hoffnung, weil er den Tod besiegt hat und ewiges Leben schenkt. Er eröffnet eine Perspektive auf das Leben nach dem Tod, auf das Leben in seinem ewigen Reich, welches einfach perfekt sein wird.

Jesus ist der König der sich heute für sein Volk einsetzt, es stärkt und führt. Er gibt seinen Dienern für ihren Auftrag Kraft, ermutigt sie, tröstet sie und leitet sie durch schwere Momente. Wenn sie mit ihren Bitten und Sorgen zu ihm kommen, so interessiert er sich ehrlich dafür und wimmelt niemanden ab. Jesus ist wie ein Hirte, der seine Schafe liebt, sie umsorgt, ihre Wunden verbindet und beschützt.

Das Königtum Jesu bedeutet außerdem, dass er der Herrscher ist. Er bestimmt, was zu tun ist, er legt fest was richtig und falsch ist. Seine Erwartung ist, dass seine Diener gemäß seinem Befehl handeln und ihm gehorchen. Er gibt sich nicht damit zufrieden, dass Menschen ihm einen Teil ihres Lebens unterordnen, nein, er erwartet eine vollständige Unterwerfung. Jesus allein ist König, er hat in allem das Sagen. Das Besondere ist aber, dass er seine Diener nicht etwa auf sich selbst gestellt losschickt, sondern sie mit seiner Kraft ausrüstet, bei ihnen ist und ihnen hilft.

Schließlich ist Jesus als König der Richter. Am Ende der Zeit wird er gerecht richten und vollkommene Gerechtigkeit schaffen. In unserer Welt geschieht viel Unrecht, das ungeahndet bleibt. Oft scheint es, als kämen Menschen mit ihrem Unrecht davon und als würde Gerechtigkeit niemals hergestellt. Doch das letzte Wort hat Jesus Christus. Im Endgericht wird er alles ans Licht bringen und für eine vollkommene Gerechtigkeit sorgen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Jesus in der Offenbarung als König der Könige und Herr der Herren bezeichnet wird (Offb. 19,16). Es gibt keinen König, der sich mit ihm vergleichen könnte, er überragt alle. Seine Herrschaft hält ewig an und bringt Frieden, Freude, Erfüllung und gibt eine echte Perspektive. Sie zeichnet sich durch seine vollkommene Gerechtigkeit, Weisheit und Barmherzigkeit aus und stillt unsere Sehnsucht nach einem vollkommenen König.

3. Die Bedeutung für uns

Wenn Jesus der Herrscher und König unseres Lebens ist, dann wirkt sich dies in unterschiedlichen Bereichen aus. Zunächst bedeutet es, dass wir nicht mehr König sind. Nicht wir sitzen auf dem Thron, nicht wir bestimmen, was richtig ist, sondern Jesus. Jesus als König zu haben, bedeutet, unter seiner Herrschaft zu leben, ihm zu folgen und zu dienen. Der erste Platz im Leben gehört Jesus, alles andere muss sich darunter einordnen. Unter der Herrschaft eines Despoten würde dies ein hartes, unglückliches Leben sein; unter der Herrschaft Jesu ist es das Beste, was uns passieren kann.

Das Königtum Jesu bedeutet aber so viel mehr als nur Unterordnung. Es bedeutet, einem König unterstellt zu sein, der nur das Beste für uns will. Er schützt uns, er kümmert sich um uns, er setzt sich für uns ein, er hat sein Leben für uns geopfert. Er ist voller Liebe zu uns und so dürfen wir unter seiner Herrschaft Hoffnung haben und brauchen uns vor Gefahren nicht zu fürchten. Der König aller Könige, der endgültige Sieger, steht für uns und vor uns.

Außerdem haben wir freien Zugang zu seinem Thron. Wir dürfen mit unseren Anliegen direkt zu ihm kommen und ihm unsere Not mitteilen. Er hat die Macht und kann in jeder Lage eingreifen. Obwohl er der größte König ist, interessiert er sich für unsere Not, egal wie unbedeutend sie auch scheinen mag, und ist bereit, uns zu helfen. Er freut sich sogar, wenn wir ihm vertrauen und mit unseren Anliegen zu ihm kommen. Er wird uns nicht immer exakt das geben, worum wir ihn bitten, aber wir dürfen wissen, dass er uns nur das geben wird, was gut für uns ist. Da er vollkommen weise ist, weiß er viel besser als wir, was gut für uns ist und was nicht. Bei ihm dürfen wir geborgen sein und alle unsere Sorgen abladen. Er wird sich definitiv darum kümmern.

Jesus ist der König und das bedeutet auch, dass er am Ende der Zeiten die vollkommene Gerechtigkeit herstellen und in Ewigkeit herrschen wird. Das gibt Hoffnung und das ist die Perspektive. Jesus ist der König.